Why the future needs us

Wo der nächste Geistesblitz einschlägt ist nicht eindeutig vorhersehbar. Was ihn aktiviert, schon.

Wir können Räume kreieren, die Kreativität stimulieren und alle Bedingungen mitbringen, um aus Visionen Prototypen zu bauen. Kreativität und Toleranz sind heute die entscheidenden Faktoren und die beste Ausgangsbasis, um in einer der größten aktuellen Herausforderung zu bestehen: Der globale Wettstreit um Talente der kreativen Klasse.

Noch zählen seltene Erden zu den begehrtesten Rohstoffen der Welt. Bald wird allerdings die Förderung von Kreativität und die Gewinnung von Innovationen über Erfolg oder Misserfolg von ganzen Gesellschaften entscheiden.

So müssen wir Orte der Möglichkeiten etablieren. Orte, die Selbstverwirklichung ermöglichen und Talente anziehen. Orte, an denen wie in einer Biosphäre neues Leben entstehen kann. Orte, an denen die Zukunft spürbar ist, weil sich die Haptik der Vergangenheit mit technologischer Innovation architektonisch verbindet.

Der Reaktor der Ideen kommt nur mit Personen in Gang, die ihn anzuheizen verstehen.

Neue Technologie wird vom Menschen gemacht. Daher werden Talente auf der internationalen Börse der Innovation wie Rohstoffe gehandelt. Und im Gegensatz zu Gold oder Öl sind Menschen mobil und ziehen an den für sie attraktivsten Ort.

Es braucht daher Orte, die Kreativität fördern, die Fantasie anregen, Forschung als Rohstoff begreifen und neue Vernetzung schaffen. Aus diesen Minen werden Prototypen gewonnen – soziale, technologische, politische und gesellschaftliche.

Nach und nach geben wir die Taylor‘sche Arbeitsteilung an Roboter ab und sind auf dem Weg in eine Zukunft, von der wir lange dachten, sie bräuchte uns nicht – in Anlehnung an Bill Joy’s „Why the future doesn’t need us“.

Linearität weicht der Kollaboration, Kreativität wird zum Rohstoff, Kollisionen ermöglichen Neu-Kombinationen.

Break the rules – not the law

Eine Kluft zwischen attraktiven Kreativstandorten droht.  Das produziert heftige politische und kulturelle Verwerfungen, die ganze Länder lähmen und die bereits zu beobachten sind.

Die Situation ist ähnlich der industriellen Revolution, die neben immensem Wirtschaftswachstum eine ökonomisch bevorzugte Schicht von Leuten hervorbrachte und eine Reihe von wirtschaftlich sehr starken Regionen, was soziale, politische und militärische Spannungen bedingte. Wir müssen daher sicherstellen, dass viele Menschen an der kreativen Wirtschaft teilhaben.

Es braucht Orte, in denen Unternehmer:innen ihre Innovationen zum Leben erwecken können. Die High-Tech Revolution passierte in San Francisco und der Bay Area, weil der Ort von der 60er-Welle der Selbstverwirklichung erfasst und nach dem Motto „Break the rules, not the law“ gehandelt wurde.

Für uns liegt die größte Herausforderung aktuell darin, im globalen Wettstreit um Talente, ein attraktiver Lebensort zu sein.Intolerante und engstirnige Orte sterben, da die Angehörigen der kreativen Klasse ihren Wohnort frei wählen können. Damit verändern sie die Weltwirtschaft. Weltweit bilden sich Zellen, die besonders innovativ sind. Wir erleben nicht nur einen wirtschaftlichen, sondern auch einen sozialen Wandel.

Transformationsschleifen und Joseph Beuys‘  „Soziale Plastik“

So wie sich die Sozialdemokratie in der Vergangenheit für die bessere Verteilung materieller Güter einsetzte, müssen wir uns heute dafür einsetzen, Menschen dazu zu bringen, ihre Talente zu entwickeln und sie ökonomisch zu nutzen. Nationen wie Australien, Kanada, Neuseeland und die skandinavischen Länder haben das erkannt und richten sich danach aus. Japan, Deutschland und die USA hängen noch in der Transformationsschleife fest.

Joseph Beuys’ Konzept der „Sozialen Plastik“ anerkennt die innere Freiheit jedes Menschen und fordert auf ihrer Basis zum selbstständigen Handeln innerhalb der Gesellschaft auf.

Individuelle Freiheit impliziert Verantwortung für die gesamte Gesellschaft. Eine tolerante Gesellschaft begreift Dialektik als Nährboden für eine hoffnungsvolle Metamorphose, die im Klima eines toleranten Ortes zur Innovation gedeihen kann.

Indem wir diesem Grundsatz Glauben schenken, entstehen urbane Minen als lebendige, inspirierende und kontroverse Gemeinschaftsbereiche. Dies sind Orte, an denen die Gegenwart unter einem Vergrößerungsglas betrachtet wird, wo Utopien, Erkenntnisse und Visionen veredelt und gehandelt werden. Innenhöfe, in denen die Kollaboration die Welt versammelt, anstatt bloß ihr Vorhof zu sein.

Es gilt, gesellschaftlichem Ereignisdruck mit neuen experimentellen Freiräumen etwas entgegenzuhalten. Räume, in denen Event und Konsum kreativer Teilhabe Platz machen. Orte des sich Sammelns und des Aufbruchs. Orte der Ruhe, an denen sich Mut und Risikobereitschaft finden lassen, die die Erneuerung unserer Gesellschaft braucht. Kurz: eine visionäre Modell-Sphäre, als deren Schätze Utopien gelten.

 

 

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Chris Müller
Unternehmer Gründungsdirektor | Tabakfabrik Linz

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