Mindestens einhundert Windräder für OÖ bis 2030

Herr Kaineder, Sie rufen immer wieder nach einer Beschleunigung des Windkraftausbaus in Oberösterreich. Momentan drehen sich 31 Windräder in Oberösterreich, für viele ist das schon ausreichend.

Das wird bei weitem nicht reichen. Der brutale Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat uns unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern schmerzlich vor Augen geführt. Wir müssen uns nicht nur deshalb aus den fossilen Ketten befreien, sondern auch wegen dem Klima. Den meisten Windstrom erntet man im Winter. Dann, wenn Sonne und Wasser weniger Strom produzieren. Windkraft ist daher die perfekte Ergänzung.
Unsere Forderung ist, bis 2030 mindestens 100 Windräder in OÖ zu haben. Das ist eine vorsichtige Mindestforderung, die IG Windkraft oder auch die Wirtschaftskammer fordern teilweise mehr als das doppelte.

Die Freiheitlichen kritisieren die Energiewende-Pläne und Ideen für Windräder als nicht umsetzbare grüne Träumereien. In Oberösterreich funktioniere Windkraft eben nicht. Was entgegnen Sie den Kritiker:innen ?

Die FPÖ hat sich wieder einmal ein neues Feindbild erschaffen, absurderweise ist es diesmal die Windkraft. Mit Windkraft produzieren wir günstigen und sauberen Strom in unserer Heimat, machen uns unabhängig und schützen damit das Klima. Das will die FPÖ offenbar nicht, sie setzt stattdessen auf fossile Energie und teures russisches Gas. Das macht aber unseren Planeten kaputt. Wir brauchen einen massiven Ausbau der Erneuerbaren und dazu zählt nunmal auch Windkraft.

Laut dem aktuellen Windkraft-Masterplan gibt es kaum geeignete Zonen für den Ausbau der Windkraft in Oberösterreich.

Dieser Plan hat den Namen „Masterplan“ nicht verdient. Er ist vielmehr ein Windkraft-Verhinderungsplan. Unter Schwarz-Grün wurde der Ausbau der Windkraft massiv vorangetrieben, seit Schwarz-Blau wird blockiert.

Es ist angesichts der fortschreitenden Klimakrise höchst an der Zeit, ideologische Scheuklappen abzulegen und die Blockadehaltung beim Windkraft-Ausbau zu beenden.

Es ist unsere Aufgabe, unseren Kindern und Enkelkindern einen lebenswerten Planeten zu übergeben. Dafür müssen wir schnellstmöglich klimaneutral werden.

 

Passiert auf Bundes- und Landesebene genug, um die Klimaziele zu erreichen ?

Auf Landesebene warten wir bis dato auf große Klimaschutz-Projekte. Leider müssen wir feststellen, dass Klimaschutz für Schwarz-Blau nicht von hoher Priorität ist. Auf Bundesebene sieht es anders aus, hier merkt man die grüne Regierungsbeteiligung deutlich.

Woran ?

Die aktuelle Bundesregierung hat im Klimaschutz mehr weitergebracht als die Regierungen der 30 Jahre davor zusammen. Die Liste der grünen Erfolge ist lang. Wir sind bundesweit voll auf Kurs beim Ziel 100 % erneuerbarer Strom bis 2030.

Allein Solaranlagen und Stromspeicher haben wir 2022 mit 396 Millionen Euro gefördert – das ist dreimal mehr als im bisherigen Rekordjahr 2021.

Die im letzten Jahr neu zugebauten Anlagen erzeugen 1.300 Megawatt sauberen Sonnenstrom – fünfmal mehr als im Vergleich zu 2019. Und mit den Transformationsfonds für die Industrie stellen wir in den nächsten Jahren mehr als fünf Milliarden Euro zur Verfügung, um Produktionsstätten klimaneutral zu machen. Das hilft uns auch am Standort Oberösterreich enorm, wenn man etwa an die Umstellung der voestalpine auf Lichtbogenöfen bei der Stahlerzeugung denkt.

Für einige gehen grüne Politik mit Umwelt- und Klimaschutz an den Interessen der Wirtschaft vorbei. Wie ist Ihr Verhältnis zu Oberösterreichs Wirtschaftstreibenden und zur Industrie?

Sehr gut. Ich stehe in engem persönlichem Austausch sowohl mit den großen Playern der oberösterreichischen Industriebetriebe als auch mit kleinen und mittleren Betrieben aus den unterschiedlichsten Wirtschaftsbranchen.

Mir sind auch regelmäßige Betriebsbesuche sehr wichtig, um die Anliegen und Forderungen zu hören und mitzunehmen.

Umwelt- und Klimaschutz schließen sich nicht aus, sondern passen vielmehr perfekt zueinander.

Das zeigen die hunderten oberösterreichischen Klimabündnis-Betriebe, die mit grünen Maßnahmen schwarze Zahlen schreiben.

 

 

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Stefan Kaineder
OÖ. Landesrat für Umwelt- und Klimaschutz

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