Kunst versus Wirtschaft – wer gewinnt – wen?


Cornelia Lehner
Kulturmanagement | www.kultur.co.at

„Kunst und Wirtschaft sind wie zwei Welten, die oft fremd und fern erscheinen.
Doch in Wahrheit sind sie wie zwei Sterne, die zusammen heller glänzen.“

Wer von der Verbindung Kunst und Wirtschaft hört, assoziiert vielleicht zunächst finanzielle Abhängigkeiten. Auf der einen Seite das Kapital, auf der anderen Seite der Freigeist. Aber das muss nicht unbedingt so sein, denn immer öfter, gerade in der aktuellen New Work-Ära, wird deutlich, wie sehr Kunst die Wirtschaft inspirieren und diese beflügeln kann.

Kunst steht für Kreativität und Innovationskraft. Kunst bedeutet Denken außerhalb der gewohnten Grenzen und die Suche nach innovativen Lösungen für komplexe Themenstellungen.  Die Wirtschaft kann von dieser Denkweise profitieren, indem sie Raum für Kreativität schafft und ihre Mitarbeiter:innen ermutigt, neue Ideen zu entwickeln.

Einige der Aspekte und Herausforderungen die dem Wesen der Kunst zugeschrieben werden, letztendlich aber Kunstschaffende und Unternehmer:innen eint, sind die Risikobereitschaft, die Authentizität und Individualität, die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, sowie die langfristige Vision und die intrinsische Motivation, etwas Neues in die Welt zu bringen.

Eine gut funktionierende Gesellschaft braucht eine ausgewogene Berücksichtigung von Kunst, Kultur und Wirtschaft. Indem sie zusammenarbeiten und sich ergänzen, können sie dazu beitragen, eine vielfältig gestaltete und nachhaltige Zukunft herzustellen, die sowohl kulturelle Bereicherung als auch wirtschaftliche Prosperität fördert.

 


Wolfgang Preisinger
www.fabrikanten.com

„Es muss die Kreativität und nicht nur die Effizienz belohnt werden.“

Kunst und Wirtschaft kommen aus zwei verschiedenen Universen. In der Wirtschaftslogik stehen tendenziell Gewinnstreben, Wachstum und Effizienz im Vordergrund. Werte, die unsere Vorstellung von Gesellschaft und Zusammenleben leider mehr prägen, als wir wahrhaben wollen.

Kunst folgt aber, zumindest im Stadium des kreativen Schaffens, einer anderen Logik. Natürlich gelten danach auch für die Kunst oft wieder die gleichen Gesetze.

Dennoch lohnt es sich auf diesen frühen, marktfernen Prozess einen genaueren Blick zu werfen. Birgt er doch viel Potenzial für die Beantwortung wichtiger unternehmerischer Fragenstellungen.

Wie begeistern wir Talente ?

Wie schaffen wir Transformation, als echte Veränderung und nicht nur die Optimierung ?

Wie bringen wir Teams dazu über den Tellerrand zu denken ?

Wie schaffen wir Flow und Freude am Tun ?

Um eine Kultur der Kreativität und Innovation in einem Unternehmen zu schaffen, sind einige wichtige Bedingungen zu erfüllen, die sowohl für die Kunst als auch für die Wirtschaft gelten. Zunächst geht es darum ein Klima des Vertrauens und der psychologischen Sicherheit zu schaffen. Meinungen dürfen geäußert und Risiken eingegangen werden, Fehler sind zulässig.

Darüber hinaus brauchen Mitarbeiter:innen Zeit, Raum und Ressourcen, um ihre Kreativität entfalten zu können. Und es geht auch darum die Vielfalt der Mitarbeiter:innen und den kreativen Austausch zwischen den Teams als Quelle der Innovation zu verstehen. Es muss die Kreativität und nicht nur die Effizienz belohnt werden.

 


Ilona Roth

www.transitheart-productions.com

„Für mich ist es wichtig, Unterschiede zu verstehen, zu respektieren, zu integrieren und kreative Verbindungen zu suchen.“

Als Künstlerin und Kulturschaffende bin ich erstmals in den Zugzwang geraten „Business-Skills“ anzuwenden, als ich eine Organisation im Kunstbereich gegründet habe. Das hat mir mehr abverlangt, als ich mir vorstellen konnte. Dadurch bin ich aber auch auf die vermeintliche Unvereinbarkeit dieser gegensätzlichen Welten von Wirtschaft und Kunst gestoßen, die unterschiedliche Logiken, Sprachen und Methoden haben. So gibt es einerseits Methoden aus der Kunst, die für das Business-Umfeld wirtschaftlich erfolgreich adaptiert werden. Z.B. In Workshops für Präsenz oder Stimmtraining.  Auf der anderen Seite versuchen Künstler:innen oft ein privates Zielpublikum anzusprechen, ohne zu wissen, wie sie ihr Know-how vermarkten können. Aber auch Kulturorganisationen wissen mit Begriffen wie SWOT, Stakeholder-Analysen, Porter und dergleichen oft wenig anzufangen, obwohl diese Methoden für Kunst- und Kulturprojekte auch abseits vom bloßen Gewinnstreben sehr brauchbar wären. Dieses Spannungsfeld ist zwar nicht neu, birgt aber dennoch enormes Potenzial.

Für mich ist es wichtig, die Unterschiede verschiedener Organisationskulturen zu verstehen, zu respektieren, zu integrieren und kreative Verbindungen zu suchen.

Innerhalb meiner verschiedenen Projekte finde ich, dass Kultur das spaltende und das bindende Glied zugleich ist. Auch wenn die Vereinigung dieser unterschiedlichen Welten eine Herausforderung ist, so wächst mein persönlicher Methodenpool stetig. Ich kann ungeahnte Synergien heben, neue kreative Impulse setzen und neue Wege finden, um auch für mich Ungeahntes zu ermöglichen.

 

 

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Ilona Roth
Kunst_versus_Wirtschaft

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