Guter Boden

Ein wertvolles und begrenzt verfügbares Gut

Im Durchschnitt der letzten drei Jahre wurden in Österreich pro Tag 11,5 ha an Flächen neu in Anspruch genommen.

Gemäß Regierungsprogramm 2020 – 2024 soll die Flächeninanspruchnahme so gering wie möglich gehalten werden und der jährliche Zuwachs bis 2030 auf 2,5 ha pro Tag bzw. 9 km² pro Jahr sinken.

Zahlreiche negative ökologische und ökonomische Effekte entstehen nämlich durch Bodenversiegelung und Flächenverbrauch:

  • Verlust von landwirtschaftlicher Produktionsfläche und damit einhergehend verstärkte Lebensmittelimporte.
  • Verlust der biologischen Funktionen des Bodens, wie die Speicherung von CO2.
  • Belastung der Gemeindebudgets für die Errichtung und Wartung von Siedlungs- und Verkehrsflächen.
  • Erhöhtes Verkehrsaufkommen um von den peripheren Siedlungen in die Zentren zu kommen, vorallem durch den Individualverkehr mit PKW.
  • Nutzungskonflikte infolge Zersiedelung, wie zB Landschaftsbild und Windkraft.
  • Gefährdung der biologischen Vielfalt durch mangelnde Flächen für Fauna und Flora.
  • Erhöhtes Hochwasserrisiko durch geringere Speicherung von Niederschlägen.
  • Verlust der Staubbindung.
  • Hitzeeffekte bei asphaltierten und betonierten Flächen.

Qualitativ hochwertige Böden auf verbrauchten Flächen, wie sie für die Landwirtschaft nötig sind, lassen sich auch nicht einfach wiederherstellen. Also müssen wir mit unseren Böden und unserer Flächeninanspruchnahme sorgfältiger umgehen.

Beim Bauen denken wir meistens an Einfamilienhäuser oder Wohnbauten. Jedoch haben den größten Anteil an der zusätzlichen Flächeninanspruchnahme Betriebsflächen mit einem Verbrauch von 10,5 bis 31 km² pro Jahr.

Oberösterreich ist im Jahr 2020 mit 8,1 km² zusätzlicher Flächeninanspruchnahme die Nr. 3 in Österreich.

Nur die flächenmäßig deutlich größeren Bundesländer Niederösterreich und Steiermark haben höhere Werte.

Was kann jetzt für eine auf die Zukunft ausgerichtete tragfähige Flächeninanspruchnahme getan werden ?

Veränderung im Verwaltungsrecht

Die Nutzung des Raums ist in Österreich in föderalen Raumordnungsgesetzen geregelt.

In Oberösterreich sind Raumordnungsziele und -grundsätze im Raumordnungsgesetz geregelt. Dort sind als Ziele festgelegt:

„Die sparsame Grundinanspruchnahme bei Nutzungen jeder Art sowie die bestmögliche Abstimmung der jeweiligen Widmungen“ sowie „die Vermeidung von Zersiedelung“.

Aber die Raumplanung erfolgt real primär auf kommunaler Ebene. Und auch wenn die Ziele klar sind, so sind die Bürgermeister:innen und der Gemeinderat als die örtlich Verantwortlichen durch Ihre Nähe zu den Betroffenen derartig involviert, dass unliebsame Entscheidungen oft nicht getroffen werden.

Zudem mangelt es den Verantwortlichen, in manchen Fällen auch an Fachwissen, wobei ich das den Betroffenen keineswegs zum Vorwurf machen möchte.

Raumplanungsfragen sind teilweise hochkomplexe Entscheidungen mit langfristigen Auswirkungen. Dafür braucht es auch eine entsprechende Sachkompetenz.

Zuletzt ist noch festzuhalten, dass die Aufsichtsbehörden zwar häufig Bedenken zu gewissen Entwicklungen anmerken, aber sehr selten raumplanerische Fehlentwicklungen untersagen.

„Wir brauchen eine sparsame Bodeninanspruchnahme bei allen Nutzungen und viel ambitioniertere Ziele für raumplanerische Widmungen.“

Abhilfe kann nur eine politisch entschiedene Verlagerung der Raumplanungskompetenz auf Landesebene bringen. Bis es soweit ist, muss im gegebenen rechtlichen Rahmen gearbeitet werden.

Veränderung auf kommunaler Ebene

Wir brauchen auf kommunaler Ebene besser ausgebildete und kompetente Menschen in den Entscheidungsgremien. Es braucht verpflichtende Fortbildungsangebote für kommunale Entscheider:innen im Raumplanungsbereich.

Veränderung auf betrieblicher Ebene

Aber auch wir Unternehmer:innen sind gefordert, da den größten Anteil an der zusätzlichen Flächeninanspruchnahme Betriebsflächen haben.

Noch immer werden einstöckige Lager- und Produktionshallen gebaut und die Verwaltung in ein eigenes Objekt daneben gesetzt. Noch immer werden riesige Flächen mit Parkplätzen für Kund:innen und Mitarbeiter:innen versiegelt, anstatt Parkhäuser mit deutlich weniger Platzinanspruchnahme zu bauen.

Hier haben viele Unternehmen selber großen Gestaltungsspielraum am eigenen Betriebsstandort.

Durch ein Mobilitätsmanagement, das beispielsweise Klimatickets, Fahrgemeinschaften und Jobräder anbietet, kann eine Veränderung im Mobilitätsverhalten bewirkt werden. Dies trägt wiederum dazu bei, das übergeordnete gesellschaftliche Ziel für die „Verringerung des Flächenverbrauchs“ zu unterstützen.

 

 

 

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Philippe Brandner
Umwelttechniker CEO | blp GeoServices GmbH

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