Eine Erde für alle als Zukunftsvision

Der Name „Club of Rome“ ist auch heute noch – 50 Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Berichts „Die Grenzen des Wachstums“ – vielen Menschen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft ein Begriff, der mit Weitblick, Expertise und Nachhaltigkeit eng verknüpft ist.

Dieser Bericht stellt die erste Studie dar, die sich auf globaler Ebene wissenschaftlich mit den Folgen unseres ökonomischen Handelns beschäftigt. Innerhalb des Berichts erarbeitete die Forscher:innengruppe rund um Hauptautor Dennis Meadows und seiner Frau Donella Meadows zwölf  Szenarios. Diese Szenarios zeigten die Entwicklung von möglichen Zukünften unter verschiedenen Bedingungen auf.

Davon ist das Szenario „business as usual“ (BAU) wohl das medial bekannteste, aber es wurde zum Beispiel auch der verstärkte Einsatz von Technik (“comprehensive technologies“ – CT) oder eine stabile nachhaltige Welt (stabilized work) betrachtet. Als Randnotiz: Das CT-Szenario stellte auch keine erfolgversprechende Lösung dar.

Seit der Veröffentlichung des Berichts haben wir unzählige, hauptsächlich technische, Entwicklungen erlebt und rasant Fortschritte gemacht. Schauen wir uns diese Fortschritte aber genauer an, wird klar, dass wir aktuell immer noch dem BAU-Szenario folgen. Wir handeln und wirtschaften also noch lange nicht nachhaltig, zukunftsfähig bzw. enkeltauglich – wie auch immer man ein sinnvolles, global verträgliches Wirtschaften auf einem endlichen Planeten bezeichnen mag.

Trotz regelmäßiger, immer drastischer werdender IPCC-Berichte sowie den immer stärker werdenden Extremwetterereignissen zeigt sich, dass wir gerade jetzt die Möglichkeit haben, eine zukunftsweisende Transformation einzuleiten, die gesamtgesellschaftlich einen enormen positiven Beitrag leisten wird.

Um dies auch wissenschaftlich zu untermauern, wurde letztes Jahr – 50 Jahre nach „Die Grenzen des Wachstums“ – ein weiterer Bericht an den Club of Rome namens „EARTH FOR ALL – Survivalguide für die Menschheit“ veröffentlicht.

Zahlreiche international anerkannte Expert:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft waren daran als Autor:innen beteiligt. Dieser Bericht ist nicht nur eine Anleitung und Diskussionsgrundlage, sondern vor allem eine Vision einer globalen und gerechteren Gesellschaft, die die planetaren Grenzen der Erde berücksichtigt und nicht auf Kosten anderer eine lebenswerte Zukunft deklariert.

Für EARTH FOR ALL wurde das computergestützte Modell von 1972 durch die Erfahrungen und Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte angepasst und unter
anderem um soziale Aspekte wie subjektives Wohlbefinden und soziale Unzufriedenheiten ergänzt.

Im Wechselspiel von simulierten Ergebnissen und der fachlichen Expertisen der internationalen Expert:innen entstanden erneut zwei mögliche Szenarien:

  1. Too little, too late | zu wenig, zu spät
  2. The Giant Leap | der Riesensprung

Während das erste Szenario bedeutet, dass wir den aktuellen Entwicklungen folgen, also keine Änderungen vornehmen, ist das zweite Szenario noch viel aktiver als jetzt. Und wir realisieren eine nie dagewesene gesellschaftliche Transformation, wodurch sich am Ende des aktuellen Jahrhunderts eine resilientere, zufriedenere und zukunftsfähigere Gesellschaft formen kann.

Es zeigt sich aus dem Giant-Leap-Szenario, dass es fünf wesentlicher Änderungen – sog. Kehrtwenden bedarf, um diese Visionen umzusetzen.

Dabei wurden die sogenannten Hebelpunkte des Modells analysiert und jene Stellen, an denen kleinere Änderungen einen großen Effekt auf das Gesamtsystem haben können, identifiziert:

  1. Beseitigung der eklatanten Ungleichheit
  2. Beendigung der Armut
  3. Ermächtigung (Empowerment) der Frauen
  4. Aufbau eines für Menschen und Ökosysteme gesunden Nahrungsmittelsystems
  5. Übergang zum Einsatz sauberer Energie

Es ist keinesfalls neu, dass diese fünf Aspekte, die alle ineinandergreifen und nicht getrennt voneinander behandelt werden können, die wesentliche Grundlage für eine bessere und vor allem klimagerechte Welt darstellen.

Mit Hilfe wissenschaftlicher, ökonomischer und sozialer Bemühungen werden die globalen Zusammenhänge der fünf  Kehrtwenden in dem neuen Bericht dargestellt.

Zusätzlich schafft es die Geschichte von vier fiktiven Mädchen, die im Jahr 2020 geboren sind und deren Leben jeweils in beiden oben genannten Szenarien beschrieben wird, eine nachhaltige Vision des menschlichen Zusammenlebens aufzuzeigen, die mir persönlich sehr zusagt. Daran werden wir als Team des Club of Rome – Austrian Chapter arbeiten.

Bei Interesse an einer Mitwirkung freuen wir uns sehr über eine Kontaktaufnahme!

Buchtipp

„EARTH FOR ALL – Ein Survivalguide für unseren Planeten“.

Verlag: www.oekom.de

 

 

 

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Martin Hoffmann
Generalsekretär Club of Rome Austrian Chapter & Vorstandsmitglied

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